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Samstag, 16. Dezember 2017 10
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Auto & Mobil

E10 als Schlauchkrepierer

TANKEN Der Absatz des „Bio-Kraftstoffs“ E10 sinkt pro Jahr um zehn Prozent.

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Foto: dpp-Autoreporter
sv. Sechs Jahre nach der umstrittenen Einführung des „Biokraftstoffs“ E10 ist die Verbraucherakzeptanz dauerhaft rückläufig. „Am Anfang sorgten sich Autofahrer in Deutschland vor allem darum, ob ihr Motor den Biokraftstoff verträgt. Es hieß, mehr als drei Millionen Autos seien nicht geeignet. Das massenhafte Motorensterben blieb jedoch aus. Mittlerweile machen Autofahrer deshalb ihre Kraftstoffentscheidung an der Tankstelle vor allem von der Preisdifferenz abhängig“, sagt Steffen Bock, Geschäftsführer des Verbraucherinformationsdienstes clever-tanken.de. Eigentlich sollte das Benzin mit zehn Prozent Anteil von biologisch erzeugtem Ethanol bereits Anfang 2009 auf den deutschen Markt kommen. Der damalige Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) hatte die Einführung jedoch kurzfristig gestoppt, weil Experten gewarnt hatten, dass die Motoren von mehr als drei Millionen Autos durch E10 zu Schaden kommen könnten. Am 7. Februar 2011 kam E10 tatsächlich an die deutschen Tankstellen – wobei weder Autofahrer noch Tankwarte wirklich wussten, welches Fahrzeug das neue Benzin problemlos vertragen würde.


Laut clever-tanken.de lagen die Benzinpreise zur Einführung von E10 rund 20 Cent über dem heutigen Niveau. Gleichzeitig wurde ‚Biobenzin‘ mehr gefördert, was es anfangs künstlich vier Cent pro Liter billiger machte als Superbenzin. Nach Angaben des Bundesamtes für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle lag der E10-Anteil am Ottokraftstoffmarkt im Jahr der Einführung bei 9,3 Prozent.


Bis 2014 griffen kurzzeitig mehr Autofahrende zum ‚Biokraftstoff‘, wodurch der Marktanteil auf 15,2 Prozent stieg. 2015 jedoch sank mit den Benzinpreisen auch der Marktanteil von E10 – auf nur noch 13,6 Prozent, im Herbst 2016 dann auf 12,7 Prozent.


„Dass immer weniger Autofahrer E10 tanken, hängt damit zusammen, dass die Preisspanne zwischen E10-Benzin und Super E5 seit Anfang 2015 von vier auf zwei Cent geschrumpft ist. Grund hierfür ist unter anderem, dass die Ethanolpreise weniger stark gefallen sind als der Mineralölpreis“, erklärt Bock. Heute kostet im Deutschlandschnitt ein Liter E10 rund 1,35 Cent. Ein Liter Super E5 kostet indes mit rund zwei Cent nur unwesentlich mehr. Bei Verwendung von E10 steigt außerdem noch der Verbrauch um rund drei Prozent an.


Bio-Ethanol gilt grundsätzlich als wenig klimaneutral, da zwar das bei der Verbrennung emittierte CO2 zuvor durch das Wachstum der Pflanzen der Atmosphäre entzogen wurde, jedoch für die Bewirtschaftung der Anbauflächen, auf denen oft bisher Nahrungsmittel erzeugt wurden, ein hoher Energieeinsatz für Herstellung und Betrieb von Bearbeitungsgeräten und für die Ethanolerzeugung selbst notwendig ist.

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